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Trentino – Camping, Kultur und Wandern am Caldonazzosee

veröffentlicht am Mi., 10.06.2026
geschrieben von Birgit Weißgerber
Inhaltsverzeichnis
2026
04.
Jun.
2026
07.
Jun.
Vom 04. Jun. 2026 bis 07. Jun. 2026

Schon zu Beginn des Jahres spukte in unseren Reisegedanken die Vorstellung rum wieder in die Alpen zu fahren und ebenso nach Italien. Alex zeigte mir dann tolle Bilder vom Caldonazzotal und dem See dort. Das Trentin hatten wir noch nicht bereist und ich war sofort Feuer und Flamme. Also nutzten wir das verlängerte Wochenende Anfang Juni und machten uns auf den Weg.

Endlich wieder in die Alpen

Eine Fahrt in die Alpen, spukte schon zu Jahresbeginn in unseren Köpfen. Alex überlegte dies mit einem langen Wochenende in Italien zu verbinden und als er mir die Bilder vom Caldonazzosee gezeigt hat war ich gleich Feuer und Flamme. 

Der Audi wurde am Vortag schon beladen, da unsere Anfahrt über einige Pässe führen sollte und ein Zwischenstop in Bozen geplant war. Am Donnerstag Morgen sind wir um 06.15 Uhr wieder mal sehr aufgeregt gestartet, die Straßen waren recht leer und wir kamen gut voran. Kurz vor Ulm konnten wir bereits die schneebedeckten Gipfel der Alpen von der A8 aus sehen, was die Vorfreude noch anheizte. Die A7 haben wir beim Abzweig der B310 verlassen und sind anschließend durchs grüne Allgäu gefahren.

Tannheimer Tal und erste Alpenpässe

Nach Oberjoch gings  ins Tannheimer Tal, wo ich im Vorbeifahren das Ortsschild von Schattwald fotografiert und dies gleich an Moritz und Sven geschickt habe, um die Erinnerung an unseren wunderbaren Aufenthalt während der Alpenpässe Tour 2024 noch einmal aufleben zu lassen. Wir fuhren am idyllischen Haldensee entlang, den Gaichtpass hinauf und von dort zum Hahntennjoch, wo wir eine kurze Pause einlegten, denn die Aussicht dort ist immer einen Stop wert und auch hier haben wir schöne Erinnerungen an vorherige Überfahrten.

Der Weg führte weiter durchs Ötztal nach Sölden zum Timmelsjoch, allerdings haben wir vergeblich Schneewände gesucht. Obwohl wir dieses Jahr zwei Wochen früher als 2024 über den Pass fuhren, lag nur sehr wenig Schnee und die Euphorie die wir damals empfanden, wollte sich nicht einstellen. Zur Mittagspause sind wir erneut im Rasthaus auf 2509 Metern eingekehrt und haben uns von dem sehr freundlichen Personal Suppe servieren lassen.

Nette Ferrari-Fahrer

Kurz vor der Weiterfahrt trafen wir noch eine Familie aus Karlsruhe, die neben uns geparkt hatte. Sie waren von Italien aus den Pass hochgefahren in zwei Ferraris – einem weißen Purosangue und einem gelben 296 GTB(?). Sie nahmen die Pause zum Anlass die Fahrzeuge zu wechseln, die beiden Söhne waren Mitte 20, das Ehepaar ungefähr in meinem Alter. Sie haben uns gegrüßt, der Vater hat sich mit Alex unterhalten und wir waren ziemlich beeindruckt, dass man mit zwei solchen Autos so bodenständig sein kann.

Es ging bergab bis nach Meran, die schönen Häuser haben uns darin bestärkt beim nächsten Mal, auch dort einen Zwischenstopp zu planen, um diese Stadt zu besichtigen. Im Anschluß fuhren wir zum Schermoossattel hinauf, wo uns eine kurze, sehr unterhaltsame Umleitung erwartete, die an Bauernhöfe vorbei über landwirtschaftliche Wege führte.

Im Ort Jenesien haben wir angehalten und an der Bushaltestelle die schöne Aussicht auf die Berge genossen. Durch kleine Rohre konnte man verschiedene Berggipfel sehen die auch mit Höhenmetern gekennzeichnet waren.

Besuch beim Ötzi

Das nächste Ziel hieß Bozen. Wir wollten zum Archäologischen Museum, um dem Ötzi einen Besuch abzustatten. Leider war die Zeit schon sehr fortgeschritten und wir wollten auf dem Campingplatz um 18.30 Uhr pünktlich ankommen, sodass im Museum nicht allzuviel Zeit blieb. Fotografieren war dort vielfach nicht erlaubt. Das war auch gut zu verstehen, 5300 Jahre alte, einzigartige Ausstellungstücke müssen irgendwie geschützt werden. Alles über Ötzi und seine Ausrüstung war super interessant und wir können das Museum wirklich sehr empfehlen. Künstler aus Holland haben eine lebensechte Figur gestaltet wie Ötzi ausgesehen haben könnte und diese durfte man fotografieren.

 

Lavazèjoch und Manghenpass

Die Fahrt führte anschließend weiter über das Lavazèjoch, eine kurvige Strecke, durch den Wald und daher leider ohne Aussicht. Da hat uns der Manghenpass, mit seiner sehr engen, kurvigen und einsamen Straßen viel besser gefallen. Glücklicherweise war so gut wie kein Gegenverkehr. Alex hatte bei den engen, steilen  Kurven besonders viel Spaß. Wir kamen um 18.37 Uhr am Tor des Agricampeggio Ai Prati an. Es war noch offen und unsere sehr nette Vermieterin hat sich gefreut, daß wir noch "pünktlich" angekommen sind.

Das Zelt war zwischen den Spalierapfelbäumen schnell aufgebaut, da wir nun doch schon ein bisschen routiniert sind. Der Campingplatz liegt sehr ruhig inmitten von Feldern, außerhalb der Stadt, fünfzehn Minuten vom See. Der Hunger trieb uns nach getaner Arbeit in den Ort und wir haben in der Pizzeria 50 Special mit großen Pizzen und Bier den Abend ausklingen lassen.

Campingplatz Agricampeggio Ai Prati

Abseits der vielbesuchten und übervölkerten Campingplätze direkt am Caldonazzosee liegt der kleine, dafür um so feinere Agricampeggio Ai Prati. Ein privat gefühter Campingplatz zwischen Spalierobsreihen mit unglaublich netten, sehr hilfsbereiten Betreibern, die jederzeit ein offenes Ohr haben und stets für die Zufriedenheit der Gäste sorgen.

Der Platz ist noch recht neu – 2024 eröffnet – und bietet allen erdenklichen Komfort. Moderne sanitäre Anlagen, Plätze mit Bänken und Tischen die man als Gast frei nutzen kann, an jedem Stellplatz einen eigenen Stromanschluss, Frischwasser und Grauwasserentsorgungsmöglichkeit sowie absolut faire Preise bei wunderbar ruhiger Umgebung.

Wir können den Campingplatz unbedingt empfehlen, die oben genannten Annehmlichkeiten sowie die freundlichen Betreiberinnen als auch die Ruhe – alles hat uns wirklich gut gefallen. Öffnungszeit ist regulär von Anfang April bis Ende September.

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Nächtlicher Regen und kein Kaffee am Morgen

In der Nacht habe ich sehr gut geschlafen, nur der Regen hat mich ein paar mal kurz geweckt. Am Morgen war es draußen noch nass und wir konnten nicht auf den schönen Holzbänken zwischen den Spalieräpfeln sitzen und frühstücken. Da wir aufgrund des Regens später aufgestanden sind ist selbst der Kaffee ausgefallen. Stattdessen ging es los ins ca 20 Kilometer entfernte Trient. 

Ausflug nach Trient – Dom, italienische Architektur, Gassen, Blumen

Wir fanden einen Parkplatz in der Nähe von Uni und Dom unter Bäumen und sind gleich als erstes ins gut besuchte Brunch Republic, um den ersehnten Kaffee zu trinken. Es gab auch sehr viele originelle Frühstücks und Snackvarieanten. Von hier aus konnte man die Fassade des Domes sehen und dem galt dann auch der erste Besuch. Ich war geradezu hingerissen von der wunderschönen Architektur mit säulengeschmückten kleinen Steintreppen rechts und links des Kirchenschiffes, sowie der sehr schönen Wandmalereien. Der Domplatz mit dem großen Brunnen, dem schlossähnlichen Turm, den bunten Häusern und der von Löwen bewachte kunstvolle Nebeneingang des Domes hat uns auch sehr gut gefallen.

Überall vor, zwischen und sogar an den Häusern, wuchsen Blumen, häufig stark duftender Jasmin, Rosen und Hortensien. Das zusammen mit schmalen Gassen, vielen Straßencafés, Restaurants und die bunten Häuser gaben dieser Stadt einen ganz besonderen Charme. Wir haben noch zwei weitere Kirchen besichtigt, und wollten dann das Castello del Buonconsiglio anschauen.

Kleiner Snack und noch kleineres Eckhaus

Zur Stärkung haben wir uns ins Cafè Excelsior gesetzt, sehr leckere Tramezzini gegessen und Cynar Spritz getrunken. Schräg gegenüber stand ein sehr schmales Eckhaus, mit Holzerkern und gusseisenen Balkonbrüstungen und ich fragte Alex wie man da wohl wohnen kann. Er schaut genauer hin und meinte es sei ein Bekleidungsgeschäft. Wir sind nach unserer Pause sofort los, um uns die Räume anzuschauen und tatsächlich gab es auf fünf Stockwerken je einen Raum über eine steile Holztreppe zu erreichen. Der Ladenbesitzer hatten in jedem Raum beziehungsweise auf jeder Etage Kleider von einer Farbe. Vom obersten Stockwerk aus hatte man eine fantastische Sicht über die Straßen. Dieser Laden heißt Senza Fine und ist auf alle Fälle ein Besuch wert. 

Das Castello del Buonconsiglio

Wir sind im Anschluß durch den schön angelegten Garten des Castello spaziert und haben das Schloss auch von innen besichtigt. Unserer Meinung nach ist es nur teilweise sehenswert, und die vorab geschürten Erwartungen wurde nicht erfüllt, haben wir die Fässer im Keller nicht sehen können, die Ausstellung der Fundstücke aus dem Trentin waren alle nur auf italienisch erklärt und der Adlerturm hat extra Eintritt gekostet. Die Berichte über die Freiheitskämpfer des ersten Weltkrieges, die Kachelofensammlung und der große Saal mit den Wandmalereien waren interessant und die Aussicht vom Obergeschoss über die Stadt war sehr schön.

Genug gesehen und gelaufen, sind wir zurück nach Caldonazzo gefahren. Auf dem Campingkocher wurde das Abendessen zubereitet, Nudeln mit Tomatensauce und ich hatte noch die gute Idee auch gleich Wasser zu kochen und in die Thermosflasche zu füllen, für einen schnellen Kaffe am nächsten Morgen. Bei einem Glas Wein liessen wir den Abend ausklingen.

Wanderung mit Croz del Anza Rossa und traumhaftem Blick auf den Lago di Caldonazzo

In der Nacht hat es dann wieder geregnet, am Morgen war es wolkig aber bereits über 20 Grad, genau richtig für eine Wanderung. Nach dem Frühstück (trockene Brötchen mit Kaffee) ging es los. Die Rundwanderung führte vom Stadtrand Caldonazzo, einen steilen mit Steinmauern eingefassten Waldweg hinauf zum wunderschönen Bergdorf Campregheri. Wir waren sehr beeindruckt von den schönen Häusern, alte wie ganz neu gebaute und den gepflegten Gärten. Von dort ging es zu einem schönen Aussichtspunkt mit Blick über Tal und See, an einer Burgruine vorbei (die leider nicht zu besichtigen war) über einen recht anspruchsvollen Weg, wieder hinunter zum Ausgangspunkt.

Insgesamt waren es 14 Kilometer und beim Rückweg war ich doch ein bisschen lahm. Wir haben in der CHIC & Fiocco neve gelateria e caffetteria ein ganz besonders gutes Eis gegessen, schön geduscht und sind später zum Ristorante Pizzeria Gilda gefahren, wo wir ein exzellentes Abendessen bekamen. Ein Blick auf den See vor unserer Abfahrt war natürlich auch noch ein Muss und so haben wir nach dem Essen noch einen Abstecher gemacht und dabei die wunderschöne Abendstimmung miterlebt.

Lange und eindrucksvolle Rückreise

Am nächsten Morgen waren wir beide um 06.00 Uhr schon wach und haben dann gleich begonnen zu packen. Das war auch gut so, denn der Tau hatte schon am Vorabend auf dem Zelt gelegen und innen hatte sich ebenfalls Kondenswasser gebildet, sodass Alex das Zelt vor dem Zusammenpacken innen und außen mit einem Lappen abgetrocknet hat. Das alles und die Packerei haben uns bis 09.15 Uhr aufgehalten. 

Die Rückfahrt war von Alex erneut genau geplant worden und führte uns vorbei an den Obstplantagen der Täler des Trentin bis nach Cles am Lago di Santa Giustina, wo wir bei der Alpentour auch von einer anderen Seite kommend langgefahren sind. Vor Vermiglio fanden wir einen wunderschönen Aussichtspunkt mit Bänken und Tischen, an dem wir eine Rast einlegten. Es ging weiter zum Tonalepass, wo das Café, das wir letztes Mal mit Moritz und Sven besucht hatten, leider geschlossen war.

Am idyllisch im Tal gelegenen Ort Ponte di Legno fuhren wir vorbei und hinauf zum Gaviapass. Alex hatte mich bei der Vorbereitung gefragt, ob ich einverstanden bin, diesen Pass nochmal zu befahren, da ich bei der letzten Fahrt mit der Giulietta aufgrund der Enge der Straße und der fehlenden Leitplanken tausend Tode gestorben bin, geht es schließlich auch nur 2,6 Kilometer steil bergab. Ich habe ja gesagt, denn ich wollte kein Feigling sein, fand die Fahrt aber dieses Mal fast noch beängstigender und betete möglichst bald, heil oben anzukommen. Währenddessen hatte Alex Spaß hinter den Motorradfahrern herzuheizen. Kommt man dann oben auf 2652 Metern an, ist alles vergessen, denn die Aussicht ist einfach spektakulär! Die karge Schönheit der Landschaft, der Schnee und die bizarren Bergspitzen sind ein Fest für Augen und Sinne. Die Abfahrt ist weniger steil, die Straße breiter und sie führt durch Wälder an grünen Hügeln vorbei. 

Nochmal kurz Livigno sehen und zollfreies Benzin tanken

Wir fuhren durch Bormio sowie anschließend den Foscagnio Pass hinauf und gelangten so über eine andere Strecke nach Livigno. Wieder einmal atemberaubende Aussichten über die Berge und Täler und gleichzeitig das Bedauern nur durchzufahren und nicht dort bleiben zu können. Nachdem wir getankt und Sven ein Bild zum neidisch machen geschickt hatten, fuhren wir am sehr leeren Stausee vorbei in den Munt la Schera, der Tunnel an dessen Ende man in der Schweiz landet.
Zuhause haben wir später noch entdeckt, dass es vor Livigno doch einen Campingplatz gibt, auf dem wir ganz sicher einige Tage verbringen müssen.

Durch die wunderschöne Schweiz

Auf der schweizer Seite des Tunnels angekommen ging es an Zernez vorbei und wir fuhren hinauf auf den 2383m hohen Flüelapass, wo es recht kühl war, noch ordentlich Schnee lag und auf den Bergseen sogar Eisschollen schwammen. Das war der kälteste und winterlichste Punkt unserer Fahrt. Drei Tage später erreichte uns die Nachricht, es habe dort erneut geschneit.

Weiter ging es durch Davos Dorf, Klosters bis nach Maienfeld der Heidistadt. Diesen Ort hatten wir durchfahren, als wir Hammouda besuchten und wir legten dort eine kurze Pause ein, für diesen viel zu früh verstorbenen Freund.

Der Weg führte nun Richtung Lichtenstein, dieses Mal sind wir aber vor Vaduz abgebogen, um auf der schweizer Seite das Tal zu durchfahren und um in neue Welten vorzudringen. In Gams mussten wir einfach anhalten, da die Aussicht so unglaublich war! Bergpanorama, samtig grüne Hügel und in der Ferne das Tal von Lichtenstein. Ich fühlte mich an das Auenland erinnert und sagte zu Alex man hätte auch hier die Herr der Ringe Szenen drehen können. Der Kanton Toggenburg hat uns absolut begeistert: Landschaft und Orte (mit Ausnahme von Wattwil) waren wunderschön, besonders im goldenen Abendlicht. Wir haben nur bereut nicht länger anhalten und dort bleiben zu können.

Voll des Staunens: Stein am Rhein

Als wir schon sehr nahe am Bodensee auf der schweizer Seite eine Brücke passierten, kamen wir in eine Stadt mit wunderschönen Häusern, die Kinnlade klappe herunter und wir staunten nur, wo sind wir hier? Da das Internet dort nicht funktionierte, gab es erstmal keine Antwort auf die Frage. An einem Parkplatz am See hielten wir an und ein Schild am Ufer klärte uns auf: Stein am Rhein hieß dieser schöne Ort.
Sogar eine Burg trohnte hoch über der Stadt und wir beschlossen, bald mal einen Tagesausflug dort hin zu planen. Die Abendstimmung am Rhein war ein gelungener Abschluss an diesem Tag.

Dreizehn Stunden unterwegs und endlich daheim

Über die Autobahn A81 ging es die letzten Kilometer nach hause. Um 22.30 Uhr kamen wir zu einem sehr willkommenen warmen Abendessen, zubereiter von unserer Tochter Mila, wohlbehalten wieder an, Waren doch zirka 13 Stunden seit Fahrtbeginn vergangen, haben wir Mila von unseren Erlebnissen berichtet und kamen vor lauter Schwärmerei ob der vielen Erlebnisse in vier Tagen Kurzurlaub kaum zum Essen.

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