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Roadtrip durch vier Länder – 16 Alpenpässe

veröffentlicht am So., 30.06.2024
geschrieben von Birgit Weißgerber
Inhaltsverzeichnis
2024
17.
Jun.
2024
21.
Jun.
Vom 17. Jun. 2024 bis 21. Jun. 2024

Das Wetter im April und Mai war wirklich durchwachsen und doch hatten wir seit einigen Monaten eine Tour quer durch die Alpen geplant. Also hieß es Daumen drücken, dass der Juni besser wird und somit unsere geplante Alpenpässe Tour nicht ins sprichwörtliche Wasser fallen würde.

Am Ende konnten wir unser Glück kaum fassen, denn wir hatten über dreieinhalb Tage bestes Wetter und damit optimale Bedingungen!

Also hieß es

  • vier Länder
  • fünf Tage
  • sechzehn Alpenpässe
  • und unzählige Sonnenstunden später

können wir an dieser Stelle unseren Bericht mit all den Eindrücken und Erlebnissen veröffentlichen.

Eine Alpenrundfahrt mit drei Oldtimern

Über einen Zeitraum von fünf vollen Tagen sind wir zu viert mit drei total unterschiedlichen Oldtimern unterwegs gewesen und hatten das Ziel, insgesamt 16 Alpenpässe zu überqueren und dabei Berge mit einer Höhe von maximal 2509 Meter ü.NN. zu erklimmen.

Moritz mit Opel Manta A (1974)
Sven mit Audi 80 B3 (1990)
Birgit und Alex mit Chevrolet Corvette C3 (1968)

Montag - Tag 1

Bereits einige Tage vor der Fahrt herrschte Aufregung und Vorfreude, eine Spannung, wie bei einem Abenteuer mit unbekanntem Ausgang lag in der Luft. Wir hatten mit den Autos schon einige Touren gefahren, aber diese sollte vom Anspruch her alles bisherige in den Schatten stellen, auch die Kombination der Fahrer und Autos war neu.

Bei herrlichem Sonnenschein starteten wir an diesem Montag, den 17. Juni gegen 9.00 Uhr von Gerlingen aus mit offenem Verdeck!

Der Weg führte über den Naturpark Schönbuch nach Tübingen. Die Sicht war so gut, daß man von dort bereits die Burg Hohenzollern sehen konnte. Tatsächlich fuhren wir dann in Hechingen direkt unterhalb der Burg vorbei. Die Schönheit und Größe der Anlage war ein grandioser Anblick.

Im Meer der vielen Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen wäre die Landschaft zwischen Balingen und Tuttlingen beinahe unbemerkt geblieben. Eine Dichte, wie wir sie noch nie erlebt hatten!

Von dort ging es durch die gleichermaßen liebliche wie bizarre Hegaulandschaft, mit ihren bewaldeten Kegelfelsen zur Schweizer Grenze.
Zwischen Schlatt und Tayngen wurden wir von einem Schweizer Grenzbeamten kontrolliert und in schwyzerdütsch gefragt, ob wir einen Zweitwohnsitz in der Schweiz besitzen. 

In Svens Auto fiel dem Beamten das Funkgerät auf, seine Antwort, daß wir zusammen fahren hat den Grenzer zufrieden gestellt und wir durften in die Schweiz einreisen.
Wir vermuteten, daß dieser kleine, unscheinbare Übergang gerne zum Schmuggeln verwendet wird.

In Schaffhausen machten wir am Rheinfall Halt. Es war für uns alle der erste Besuch. Absolut beeindruckend und spektakulär wie die Wassermassen in die Tiefe stürzen! Wir fotografierten als sei dies der letzte und nicht der erste Stopp auf unserer Tour.

Über Frauenfeld ging es an St. Gallen vorbei, bis wir bei Altstätten den Ruppenpass in 1003m Höhe überquerten. 

Der erste von 16 Pässen! Am Ende vom behaglichen Ruppendörfli haben wir Rast gemacht, Würstchen und Kräcker gegessen, sowie die wunderbare Aussicht über das Rheintal genossen. 

Zwischen Oberriet und Meiningen wurde der Rhein überquert und damit auch die Landesgrenze nach Österreich.

Die malerische Landschaft des Vorarlberg zog an uns vorbei, in Rankweil ragte pittoresk eine Kirche auf einem Weinberg in die Höhe.
Als wir die Orte Zwischenwasser, Wengen und Laterns passierten, wusste man nicht, wohin man zuerst schauen sollte, weil die Szenerie so idyllisch war. 
Am Voralberger Furkajoch bei 1760m außerhalb von Laterns- Bad haben wir angehalten und gestaunt.

Eine Herde Kühe, ein Wasserfall und ein wahnsinniger Ausblick über saftig grüne Wiesen und bewaldete Hügel haben uns in ihren Bann gezogen. Die Kühe und der Klang ihrer Glocken sollten uns die gesamte Fahrt begleiten.
In Damüls wurde die Gegend rauer und karger, schneebedeckte Berggipfel zeigten sich in der Ferne. Ich konnte vom Auto aus Bilder machen und war später erstaunt, wie gut sie geworden sind. 

Nach Schröcken haben wir den Hochtannbergpass in 1676m Höhe überquert. Dort konnten wir eine Herde Kälber und das tolle Panorama bestaunen.

Nun war es nicht mehr weit bis zu unserem ersten Tagesziel, Lech am Arlberg, dem mondänen Skiort in der Höhe von 1444m. Von Wintersport war bei unserer Ankunft nicht die Rede, es war trotz der abendlichen Uhrzeit warm und mild.

Lech ist ein langestreckter Ort an einer Hauptstraße mit wenig Nebenstraßen, wo die Häuser vereinzelt stehen. Diese Einteilung ist uns später auch in anderen Wintersportorten aufgefallen. Einige der Hotels waren geschlossen. Wie wir auf Nachfrage erfahren haben, fängt die Sommersaison erst Anfang Juli an, manche Hotels haben nur im Winter geöffnet. 

Unsere Pension Haus Braunarl lag idyllisch am Ortsrand und die freundliche Besitzerin hat uns gleich die Zimmer gezeigt. Sven hatte nun stark das Bedürfnis nach einem kühlen Bier, welches wir uns aus dem Kühlschrank im Frühstückszimmer holen durften. Da es immer noch schönes Wetter war, haben wir uns mit Limonade und Bier auf die Terrasse gesetzt und den Tag Revue passieren lassen. Alex und ich haben zuhause angerufen und unserer Tochter per Videocall gleich unsere schöne Umgebung gezeigt.

Da Lech ein teures Pflaster ist, hatten wir schon vorgesorgt und Nudeln mit Tomatensoße mitgebracht. Weil unsere Zimmer mit gut eingerichteten Küchenzeilen ausgestattet waren, wurde nun das Abendessen zubereitet und in der gemütlichen Sitzecke gemeinsam gegessen.  Nach dem Essen wollten wir das Lecher Nachtleben kennenlernen, doch in der Vorsaison gab es keins. Der Nachtspaziergang war trotzdem schön.

Dienstag - Tag 2

Nach einem vorzüglichen Frühstück mit Rührei und Schinken, das extra für uns zubereitet wurde, sind wir in den 2. Tag gestartet. Das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite und hinter Zürs sind wir hoch zum Arlbergpass in 1793m Höhe, vorbei an weiteren exklusiven Skiorten, Hotels, Dörfern, Hochebenen und zerklüfteten Tälern. 

In St. Christoph, einem kleinen Ort vor St. Anton, fiel mir beim Vorbeifahren das Hospitzhotel auf, das im 14. Jh. erbaut wurde. Das wollte ich dann genauer wissen. Die Webseite von St. Anton und Wikipedia hatten folgende Informationen: Heinrich ein Findelkind aus Kempten, Schweinehirte auf Burg Arlen, sammelte Spenden für eine Schutzhütte, da am Arlberg immer wieder Menschen tödlich verunglückten. Die Herberge wurde 1386 errichtet. 

Über Petneu sind wir nach Fließ gefahren und dann hinauf zur Piller Höhe, von wo man auf 1558m einen atemberaubenden Blick über das obere Inntal hat. Am liebsten wäre ich gleich losgewandert, durch das Pillermoor führt ein Lehrpfad und im Fuchsmoos gibt es eine Alm und Wiesenlandschaft mit See und weiteren Mooren. Es wurde dort auch eine Kultstätte entdeckt mit Fundstücken aus der mittleren Bronzezeit bis zum Ende der Hallstattzeit 1500 v. Chr. bis 450 v. Chr. Die Menschen opferten Pflanzen und Tiere, erkennbar an einer 2m hohen Deponie verbrannter Knochensplitter. Später wurde Schmuck, landwirtschaftliche Geräte, Waffen und Miniaturschilde aus Bronzeblech den Göttern dargebracht. Die Fundstücke sind im Museum in Fließ ausgestellt. Ganz sicher ein Ort, der länger zum Verweilen einlädt und wo ich definitiv nicht zum letzen Mal war.

Über Wenns ging es hinab ins Kaunertal und über Arzl ins Pitztal. Wir passierten Imst und fuhren bei Haiming zum Silzer Sattel. Diese kurvenreiche Strecke führte durch stark bewaldetes Gebiet. Auf 1690m haben wir an einem Parkplatz angehalten und eine kurze Pause eingelegt. Gefährlich wurde es plötzlich bei der Abfahrt, als wir in einer Kurve zu einer Vollbremsung gezwungen waren, da eine Herde Pferde mit Jungtieren die Fahrbahn blockierte. Der Weg führte weiter ins Öztal, mit wunderbarer Weitsicht bei blauem Himmel mit Schleierwölkchen.

Über Umhausen und Längenfeld erreichten wir Sölden. Schon bei der Auffahrt nach Obergurgl hatten wir ein phänomenales Bergpanorama, dort wurde es dann auch merklich kühler und wir zwei Cabriofahrer haben uns in Jacke und Schal gehüllt. Im Vorfeld der Reise wurde regelmäßig der Wetterbericht zu Rate gezogen, denn auf vielen Pässen hatte es Anfang Juni noch geschneit und es war bis kurz vor der Reise noch nicht sicher, ob alle Höhen die wir befahren wollten auch frei sein würden. Der vor uns liegende Pass war erst wenige Tage vor unsere Fahrt geöffnet worden!
Das Timmelsjoch, oder der Passo del Rombo wie ihn die Italiener nennen, liegt in 2509m Höhe und bildet die Grenze zwischen Österreich und Italien. Beim Crosspoint, der Mautstelle, mussten wir warten, dort befindet sich auch ein Museum. Alex wurde von einem Motorradfahrer angesprochen. Er hätte früher auch gerne eine C3 gekauft, aber das Auto war seinerzeit als Zuhälterauto berüchtigt. Alex hat gelacht und gemeint, nur deshalb hätte er die Corvette gekauft. 
Wir fuhren weiter an meterhohen Schneewänden vorbei, fantastischer Bergwelt, atemberaubender Aussicht und bedrohlichen Wolkengebilden. Dies war ein absoluter Höhepunkt, wir waren euphorisch und absolut überwältigt. Moritz meinte es sei nun egal was noch kommt, für diesen Anblick hätte sich die Fahrt bereits gelohnt. Im Restaurant auf dem Pass haben wir zu Mittag gegessen, eine Vespa gesehen, die den Pass überquert hat und uns dann auf den Weg nach Italien gemacht.

Bei der Abfahrt habe ich ein paar Sequenzen gefilmt, was trotz der nun nicht mehr so guten Straßenverhältnisse qualitativ sehr gut wurde. Vor einer Kurve mussten wir anhalten, da ein Motorradfahrer gestürzt war. Er saß auf einer Mauer und machte den Eindruck unverletzt zu sein. Später kam uns dann eine Ambulanz entgegen und wir nahmen an, dass der Biker doch medizinische Versorgung benötigte. An dieser Stelle möchte ich die vielen Fahrradfahrer erwähnen, die uns an allen Steigungen während der gesamten Fahrt begegnet sind. Männer und Frauen aus allen Altersgruppen kämpften sich mit eisernem Willen stundenlang bergan, wir konnten es kaum fassen, wie man sich selbst für eine solche Strapaze motivieren kann. Unsere Hochachtung für jeden, der dies wagt!

Bei Moos in Passeier haben wir angehalten, um den wunderschönen Blick ins grüne Tal zu fotografieren. War dies doch nach der rauen hochalpinen Passlandschaft wieder ein absoluter Gegensatz. Auch die Temperaturen änderten sich jetzt, es wurde spürbar wärmer. 

In Meran waren die Temperaturen schon nahe der 30 Grad. Schwitzend quälten wir uns durch die Straßen. Glücklicherweise ging die Route nicht durch die Stadt, sondern hinauf zu kleinen Bergdörfern und an Hochebenen vorbei. Über Verano und Meltina erreichten wir Bozen.  Mörderischer Verkehr, enge Gässchen, Einbahnstraßen, Zufahrtsverbot zur Ferienwohnung wegen Fußgängerzone und der absolute Mangel an Parkplätzen brachte uns an den Rand des Wahnsinns. Moritz und Alex versuchten in den Seitengassen der Innenstadt eine Parkmöglichkeit zu finden, Sven ist mutig auf den Marktplatz zugefahren, wo er einige Aufmerksamkeit erregte. Ein sehr hilfsbereiter Carabinieri hat ihn dann aus dem Gewirr gelotst. Alex hatte inzwischen in einem Parkhaus geparkt, den anderen beiden seinen Standort geschickt und bald darauf haben wir glücklich vereint unseren nächsten Schritt besprochen. Ein paar Straßen weiter konnten wir bei Stay Cooper, der Vermietungsagentur, unsere Schlüssel abholen, haben die Autos umgeparkt und sind dann zur Mavik Suit gegangen, unserem Domizil für den 2. Tag. Diese stellte sich als sehr geräumige, moderne Wohnung mit drei Zimmern, zwei Bädern und einem großen Wohn-/Essbereich, sowie Balkon heraus. Auch war es dank Klimaanlage schön kühl, was nach der schweißtreibenden Irrfahrt ein Seegen war. Ursprünglich war ein Besuch im Bozener Heimatkundemuseum geplant gewesen um den Özi kennenzulernen, doch da wir später als geplant angekommen sind war das Museum schon geschlossen. Moritz und ich haben dann überlegt ob wir am Morgen vor der Abfahrt noch vorbeischauen könnten doch das Museum öffnete erst um 10.00 Uhr. 

Sven war nach der Abfahrt vom Timmelsjoch sehr erregt und besorgt um sein Auto. Bremsen und Kühlung sind in den vielen Kurven stark beansprucht worden und teilweise war ihm die Fahrt zu schnell gewesen, er wollte am liebsten nach Hause fahren. Vor Tag 3 war ihm Bange, denn da stand das Stilfser Joch auf dem Programm, der höchste asphaltierte Pass Italiens. Er fürchtete, dass sein Auto diesen Anforderungen nicht standhalten könnte. Alex und er haben dann diskutiert, überlegt und eine Lösung gesucht für eine neue Alternativroute mit weniger extremen Steigungen. Auch auf eine moderatere Fahrweise wurde sich verständigt. Nach dem Abendessen mit Pizza und Steak, sind wir durch die Stadt flaniert und haben den Tag in einer Bar ausklingen lassen.

Mittwoch - Tag 3

In einem kleinen Bistro in der Altsadt von Bozen wurde reichhaltig gefrühstückt und nach einem Tankstopp ging es auf der Autobahn gen Süden in Richtung Sondrino. Entlang an endlosen Obstplantagen und Weinbergen, war die Strecke für eine Autobahn gar nicht übel, auch die ersten Ausläufer, massiger Felsformationen der Dolomiten waren beeindruckend. Hinter Tirno in der Lombardei, haben wir den Passo dell´Aprica in 1176 m Höhe überquert. Auch in der folgenden Szenerie wechselten sich Obstbäume und Weinstöcke ab, in wunderschönen grünen Hügellandschaften.

Nahe Livio konnten wir von einer  Brücke aus den Blick über den Lago di Santa Giustina genießen. Im fast schon unwirklich smaragdgrünen See, waren sogar die Fische im Wasser zu sehen.

Maut in Italien – Bip&Go

In Italien muss auf jeder Autobahn Maut bezahlt werden. Das System ist wirklich super, an den Auffahrten und Abfahrten gibt es Mautstationen. Hier wird entweder mit Bargeld, Karte oder auch einem entsprechenden Gerät bezahlt.

Bargeld hat den Nachteil, dass es nur begrenzte Schalter gibt, die das Bargeld annehmen und zudem sollte man immer genügend Geld dabei haben, denn es kann auch schnell mal 15 Euro oder mehr kosten. Die Karte (Girocard, Debitkarte, Kreditkarte) birgt die Gefahr, dass der Automat diese eventuell nicht akzeptiert.

Der französische Anbieter Bip&Go hat indes auch für Nicht-Italiener eine perfekte Möglichkeit geschaffen, dem ganzen Bargeld- oder Kartendschungel zu entkommen.

Seit einigen Jahren besitzen wir daher einen Bip&Go Badge, zwei Halterungen und sind deutlich komfortabler beim Passieren von Mautstationen unterwegs. Das System funktioniert in Frankreich, Spanien, Portugal und eben auch Italien.
Für Urlauber ist das Á-la-Carte Angebot die beste Wahl. Es fallen lediglich eine Aktivierungsgebührt sowie pro gefahrenem Monat eine Nutzungsgebühr von 1,90 - 2,50 Euro (je nach Land) an sowie die entsprechenden Mautgebühren. Die Abrechnung erfolgt etwa einen Monat nach dem Durchfahren der Mautstellen per Abbuchung vom Konto. Der Badge wird hinter die Winschutzscheibe geklebt und hat eine Batterielebensdauer von etwa 10 Jahren und wird anschließend kostenfrei ausgetauscht.

Der zusätzliche Bonus bei Nutzung des Bip&Go Badges ist, man steht nicht mehr an den Warteschlangen an den Mautstellen sondern kann ganz einfach durch die gelb markierten Schalter hindurchfahren.
Grandios und dafür auch den Aufpreis pro genutztem Monat absolut wert!

Bip&Go Webseite

Es ging weiter zum Passo Tonale mit 1884m Höhe, in der gleichnamigen Stadt haben wir einen Zwischenstopp eingelegt. Abwärts nahmen wir eine kleine Nebenstraße nach Porta di Legno, die sehr schmalen Serpentinen im Wald waren eine Herausforderung für die drei Fahrer. Bei Tirano ging es über die Schweizer Grenze in den Kanton Graubünden. Der Lago Poschiavo, mit den Bergen im Hintergrund war ein traumhafter Anblick. Leider konnten wir nicht erkennen, welche der Bergspitzen der berühmte Piz Palü ist. Auf dem Weg zur italienischen Grenze überquerten wir den kargen, schneebedeckten 2315m hohen Forcola di Livigno.

Wo ich beim Aussteigen aus der Corvette den Abstand falsch einschätzte und mir an der Sidepipe die Waden verbrannte. Einen besseren Ort dafür hätte ich mir allerdings nicht aussuchen können, da eine Menge Schnee zum kühlen da war!

Auch die Corvette und der Audi haben sich über eine Abkühlung gefreut. Gegen 17.15 Uhr hatten wir unser Tagesziel Livigno erreicht und konnten im Hotel Astoria einchecken. Das Abendessen sollte um 19.30 Uhr serviert werden, das gab uns Zeit für einen längeren Spaziergang. Livigno mit seinen pittoresken Holzhäusern und der unberührten Natur hat uns sehr gut gefallen. Zurück im Hotel wartete auf uns ein besonderer Genuss. Wir hatten alle als Vorspeisen Salat vom Buffet. Danach konnten wir auswählen, was wir als ersten Gang essen wollten: Nudeln mit Ragout oder mit Gemüse oder Zwiebelsuppe. Beim zweiten Gang war die Wahl zwischen Kaninchen, Cordon Bleu, und Gemüsespieße. Dann gab es ein Käsebuffet und eine Auswahl an Desserts: Obst, Panna Cotta, Schokopudding, Tiramisu.

Am Schluß waren wir alle glücklich und vollgefressen, ein Verdauungsspaziergang war dann ein absolutes Muss.

Donnerstag - Tag 4

Der Morgen begann mit Zeitdruck, denn die Durchfahrt im Tunnel zur Schweiz, dem Munt La Schera, sollte vor 9.00 Uhr erfolgen. Es musste noch gefrühstückt, ausgecheckt und getankt werden. Hat dann aber super geklappt und wir sind so früh an der Talsperre Punt dal Gall gewesen, dass wir noch an der Staumauer Bilder vom Lago di Livigno machen konnten.

Bei Zernez im Kanton Graubünden haben wir den Ofenpass zum Teil überfahren, danach ging es an einer wild, reißenden Inn entlang durch das Unterengadin. Wir überquerten die Inn auf einer imposanten, 2010 gebauten, 235m langen Brücke und fuhren über Serpentinen in das Hochtal nach Tarasp-Fontana zum Schloß Tarasp aus dem 11. Jh. Auch dieser Ort war eine einzigartige Erfahrung. Die gesunde unberührte Natur, die bunten Blumenwiesen, grünen Hügeln, der See, die Wälder und das Bergpanorama von schneebedeckten Gipfeln luden uns zum Bleiben ein. Definitiv auch ein Ort an den ich gerne wiederkehren möchte. Die Besichtigung der Burg war uns dann leider nicht möglich, da die nächste Führung erst in 3 1/2 Stunden stattfinden sollte. Wir waren aber nicht enttäuscht, da sich der Besuch auch ohne Burgbesichtigung gelohnt hat.

Weiter an der Inn entlang überquerten wir bei Martina die Grenze nach Österreich. Wir fuhren wieder durch Fließ über Landeck nach Imst von dort ging es hoch zum Hahntennjoch auf 1894m Höhe. Der Fahrspaß wurde leider etwas gemindert, durch den Postbus der vor uns fuhr. Auf dem Weg Richtung Namlospass machten wir eine kurze Pause und das gerade zur richtigen Zeit, denn es fielen erste Regentropfen und wir mussten das Verdeck des Cabrios schließen. Nach dreieinhalb Tagen bestem Sommerwetter hatten wir den ersten Regen.

An Reutte vorbei überquerten wir in 1082m Höhe den Gaichtpass. Über Nesselwängle am schönen Haldensee vorbei fuhren wir ins Tannheimer Tal nach Schattwald, unserem Ziel für den vierten Tag. Das Tal mit den kleinen Dörfern hat uns gleich gefallen und vom Ferienhaus, das Moritz Familie gehört, waren wir begeistert. Eingerichtet im rustikalen Stil atmet es die Zeit zwischen den 1960iger bis 1980iger Jahren, man konnte richtig in Nostalgie schwelgen. Die Zimmer waren klein mit niederen Decken, unsere Betten waren mit Bauernmalerei verziert und Sven war total begeistert vom Matratzenlager.

Da der Regen aufgehört hatte und es inzwischen wieder warm war, machte Moritz den Vorschlag am Vilsalpsee bei Tannheim mit Blick auf den See Abend zu essen. Wir sind im Manta zusammen hingefahren und haben einen traumhaften Abend am See verbracht, ausgezeichnete Österreichische Küche, in einem neuen, aus hellem Holz gebauten Restaurant mit Blick auf eine wundervolle Bergseelandschaft, ach, das Leben kann unglaublich schön sein. Nach dem Essen sind wir um den See gelaufen, wo eine der vielen freilaufenden Kühe den Ärmel von Alex' Jacke abgeschleckt hat. Mit dem Gebimmel der Kuhglocken im Ohr sind wir nach Schattwald zurückgefahren. 

Freitag - Tag 5

Am Morgen, direkt nach dem Aufstehen, wurde das Ferienhaus wieder in Ordnung gebracht, dann ging es los Richtung Heimat. Auch ins Tannheimer Tal möchte ich unbedingt mal für ein paar Tage zurückkommen! Mit der Überquerung des letzten Passes, dem Oberjochpass mit 1178m, ging es zurück nach Deutschland, an der grandiosen Bergkulisse von Bad Hindelang vorbei, fuhren wir über Isney, nach Wolfegg im Landkreis Ravensburg. Dort stand das Wolfegger Automuseum auf dem Programm. Auf insgesamt vier Ebenen und zwei Gebäuden verteilt, kann man nicht nur Autos aus verschiedenen Epochen, sondern auch Motorräder und allerlei Alltagsgegenstände der 50er bis 80er Jahre bestaunen. Sven war besonders in seinem Element, da viele Audis ausgestellt waren und der Besitzer des Museums mit ihm am Schluss noch gefachsimpelt hat. Der DeLorean aus Zurück in die Zukuft, ist gleich zu Beginn ins Auge gefallen. Es gab auch zwei Autos als Leihgaben aus dem Zylinderhaus in Bernkastel-Kues, was Erinnerungen an unsere erste große Tour mit der Corvette, die "Vom Neckar zum Rhein, entlang der Mosel und zurück" im letzten Jahr, weckte.
Gerne hätten wir das Städtchen Wolfegg mit dem Schloss danach noch etwas besichtigt, aber da es kühl und regnerisch war sind wir mangels passender Bekleidung zügig zu den Fahrzeugen zurückgekehrt. Durch eine Straßensperrung wegen Baustelle in einem Nachbarort von Wolfegg, wurden wir zu einem größeren Umweg genötigt. 

In Zwiefalten in der Brauhausgaststätte legten wir einen letzten Zwischenstopp ein, bei Flädlesuppe und XXL Currywurst haben wir uns aufgewärmt und der volle Geschmack des alkoholfreien Bieres hat uns sehr begeistert!

Über die Alb ging es zurück nach Tübingen und weiter nach Böblingen, wo sich unsere Wege teilten und Moritz sich verabschiedet hat um gen Remseck zu fahren. In Sindelfingen mussten wir wegen Straßensperrung einen erneuten Umweg fahren und durch eine weitere Sperrung wegen dem Solitude-Revival auch das Glemstal umfahren. Zurück in Gerlingen waren wir dankbar für die vielen Eindrücke, das tolle Wetter und das Mensch und Maschine heil angekommen sind.

Moritz hat uns dann auch seine Ankunft gemeldet.

Sven, Alex, unsere Tochter und ich haben den Abend dann mit einem Abschlussessen beim Kroaten ausklingen lassen.

Die Eindrücke dieser Reise hat bei uns allen sehr nachgewirkt, dies war eine ganz besondere Fahrt! Tagelang hatte man noch Bilder im Kopf und wenn man die Fotos betrachtete, konnte man es fast nicht glauben, daß man persönlich vor Ort war. Ich habe zuhause diesen Bericht geschrieben. Alex hat T-Shirts mit Reiseaufdruck für alle designed und bestellt. Ich habe mich mit der Geschichte der Besiedlung des Alpenraumes beschäftigt und viel über Urmenschen, Wanderungen und Höhlen gelesen. Einige der Orte die wir kennengelernt haben werden wir wieder besuchen bei einer anderen Tour.

Kommentare1

Mitglied seit

1 year 7 months

ilseost

vor 1 year 7 months

Hallo Birgit,

hat sich gut gelesen deine Reisereportage.

LG Holli 

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