Nachdem wir im vergangenen Jahr mit unserer Tour durch die Alpen und der Überquerung von insgesamt 16 Alpenpässen darin bestätigt wurden, dass die Corvette auf langen Strecken super viel Spaß macht und bestens durchgehalten hat, begannen Ideen für unsere Oldtimertour 2025 zu reifen.
Sardinien? Auf jeden Fall!
Immer wieder haben wir von verschiedensten Leute gehört, dass Sardinien so schön sein soll. Warum also nicht die zweitgrößte Insel Italiens als Urlaubsziel wählen? Natürlich kann man das nicht nur mit fünf Tagen machen. Die Herausforderung für die nächste große Oldtimertour begann also mit der deutlich längeren Zeit und natürlich auch der Frage, wer sowas überhaupt mitmachen würde.
Also fragte ich rum, wer Interesse an vierzehn Tagen Oldtimertour hat. Als ich noch als Ziel "Sardinien" ansprach, war bei Sven bereits alles klar, er ist dabei. Es gab nur noch diese Fragen:
Wann geht es los?
Was muss ich vorbereiten?
Wie sind wir untergebracht?
Bevor es mit der Planung so richtig losgehen konnte stand noch eine wichtige Entscheidung an: Was wäre für alle Beteiligten der beste Reisezeitpunkt? Den Statistiken zufolge ist Sardinien im Juni angenehm war und noch nicht zu heiß, also genau richtig. Die Alpentour war ebenfalls im Juni und das Wetter war perfekt. Wir einigten uns also auf Juni und jeder von uns reichte Urlaub ein. Im November, Anfang Dezember 2024 begann ich mit der Suche nach passenden Unterkünften. Dazu durchforstete ich Unmengen von Plattformen die Hotels, Ferienwohnungen und Ferienhäuser anbieten. Nach mehreren Wochen Recherche hatte ich eine Hand voll Ferienhaus-Kandidaten ausgewählt und wir setzten uns zusammen.
Die Urlaubsanträge waren bewillig, die Unterkunft wurde gebucht. Von den vierzehn Tagen waren somit neun Übernachtungen auf Sardinien gesichert. Bei zwei geplanten Wochen hatten wir Zeit um gemütlich anzureisen und auch wieder heim zu kommen. Wie bei allen Touren mit dem Oldtimer, war auch für Sardinien der Fahrspaß bei An- und Abreise sehr wichtig. Nicht zu viel Autobahn, statt dessen über Land, kurvige Straßen, Berge, Natur und unbekannte Regionen die auf dem Weg viel Sehenswertes mit einbeziehen.
Um ein Auto nach Sardinien zu bringen gibt es nur einen Weg: die Fähre. Als ADAC Mitglied bekommt man über den Automobilclub ganz gute Preise. Mit Sven setzte ich mich hin und wir buchten die Hin- und Rückfahrt. Drei Personen, zwei Autos, keine Kabine. Lediglich Platzreservierungen für die Pullman Sitze, was sich später noch als Fehler herausstellen sollte.
Damit war der Aufenthalt auf Sardinien gesichert. In den nächsten Wochen und Monaten befasste ich mich mit der Routenplanung, einer ansprechenden Aufteilung der Etappen auf die zur Verfügung stehenden Tage rund um die Überfahrt mit der Fähre und den damit verbundenen Übernachtungen. Die Monate vergingen und schneller als gedacht stand die Abreise vor der Tür.
Milano, Milano, Milano
Am Sonntag Morgen, es war der 8. Juni 2025 um 6:44 Uhr, wurden die Motoren gestartet und die Reise begann. Das erste Etappenziel war die Modemetropole Mailand. Vor einigen Jahren legten Birgit, Mila und ich mal einen kurzen Zwischenstopp für wenige Stunden in Mailand ein. Diese Erfahrung machte deutlich, dass wir hier noch einmal hin möchten. Dazu kam, dass Sven die Stadt ebenfalls noch nicht gesehen hatte – abgesehen von einem Messeaufenthalt, doch wie das so ist, wenn man beruflich in einer fremden Stadt ist, zu sehen bekommt man viel zu wenig.
Das war also der Grund, dass wir am Sonntag zunächst nur bis Mailand fuhren. Das war von allen Etappen auch die weiteste. Wir wählten zunächst die Autobahn Richtung Schweiz bis kurz vor den Gotthardtunnel und bogen dann von der Autobahn ab. Die Corvette wurde vollgetankt, der Audi hatte nicht so viel Durst, und ab ging es über den Gottardpass. Sofort wurden Erinnerungen an letztes Jahr geweckt. Reste von Schnee waren zu sehen und es war noch erkennbar, dass wir uns auf 2106 Metern über dem Meeresspiegel befanden.
Maut in Italien – Bip&Go
In Italien muss auf jeder Autobahn Maut bezahlt werden. Das System ist wirklich super, an den Auffahrten und Abfahrten gibt es Mautstationen. Hier wird entweder mit Bargeld, Karte oder auch einem entsprechenden Gerät bezahlt.
Bargeld hat den Nachteil, dass es nur begrenzte Schalter gibt, die das Bargeld annehmen und zudem sollte man immer genügend Geld dabei haben, denn es kann auch schnell mal 15 Euro oder mehr kosten. Die Karte (Girocard, Debitkarte, Kreditkarte) birgt die Gefahr, dass der Automat diese eventuell nicht akzeptiert.
Der französische Anbieter Bip&Go hat indes auch für Nicht-Italiener eine perfekte Möglichkeit geschaffen, dem ganzen Bargeld- oder Kartendschungel zu entkommen.
Seit einigen Jahren besitzen wir daher einen Bip&Go Badge, zwei Halterungen und sind deutlich komfortabler beim Passieren von Mautstationen unterwegs. Das System funktioniert in Frankreich, Spanien, Portugal und eben auch Italien.
Für Urlauber ist das Á-la-Carte Angebot die beste Wahl. Es fallen lediglich eine Aktivierungsgebührt sowie pro gefahrenem Monat eine Nutzungsgebühr von 1,90 - 2,50 Euro (je nach Land) an sowie die entsprechenden Mautgebühren. Die Abrechnung erfolgt etwa einen Monat nach dem Durchfahren der Mautstellen per Abbuchung vom Konto. Der Badge wird hinter die Winschutzscheibe geklebt und hat eine Batterielebensdauer von etwa 10 Jahren und wird anschließend kostenfrei ausgetauscht.
Der zusätzliche Bonus bei Nutzung des Bip&Go Badges ist, man steht nicht mehr an den Warteschlangen an den Mautstellen sondern kann ganz einfach durch die gelb markierten Schalter hindurchfahren.
Grandios und dafür auch den Aufpreis pro genutztem Monat absolut wert!
Nach dem Gotthard ging es noch einmal auf die Autobahn, vorbei an Como bis nach Milano, wie die Stadt auf Italienisch heißt.
Kurz nach halb drei kamen wir an, parkten die Autos und machten uns ein wenig frisch. Das Il giardino di Fiorina, ein Bed & Breakfast etwas außerhalb des Zentrums gelegen, sollte uns für eine Nacht als Unterkunft dienen. Perfekte Anbindung an die Innenstadt, die Möglichkeit unsere Autos auf dem privaten Hof zu parken, saubere Zimmer und ein einfaches Frühstück am Montag Morgen, alles war optimal
Ein kurzer Gang zum nahegelegenen Bahnhof und wir fuhren ins Zentrum von Mailand. Was für eine Stadt! Beeindruckende Gebäude, viele Menschen und typisch italienisches Großstadtflair. Alles natürlich gepaart mit der allgegenwärtigen Touristenabzocke auf die wir auch reinfielen. Weil wir hungrig und durstig waren, wurde viel zu teuer gegessen. Doch es ist Urlaub und da ärgert man sich über sowas nicht lange.
Wir sind also durch die Stadt geschlendert, haben uns zahlreiche Sehenswürdigkeiten angeschaut und sind ziemlich kaputt am Abend zurück zur Unterkunft gefahren, um nicht allzu spät ins Bett zu kommen und fit für den zweiten Teil unserer Reise und dem Weg zur Fähre zu sein.
Durch das Italienische Hinterland nach Livorno
Nach einem ausreichenden Frühstück ging es am Montag Morgen weiter nach Livorno. Hier sollte um 22:30 Uhr die Fähre in Richtung Sardinien ablegen. Wir hatten also den ganzen Tag Zeit, keinerlei Zeitdruck und wollten was vom Land sehen. Zwar begann die Fahrt mit Stau rund um Mailand, doch als wir nach einigen Kilometern die Autobahn verließen war das schnell vergessen. Auf schmalen Straßen, durch kleine Orte und über Berge die uns auf über eintausend Höhenmeter brachten, ging es Richtung Hafen.
So staubig der Weg auch manchmal war, so warm es uns auch wurde, es war ein Erlebnis. Das Italienische Hinterland abseits der von Touristen ausgetretenen Pfade hat seinen ganz eigenen Charme und zeigt das Land von seiner ursprünglichen Seite.
Gemütlich und ohne weitere Vorkommnisse kamen wir in Livorno an. Zunächst am falschen Dock geparkt, entschieden wir uns zu einem Abstecher Richtung Wasser. Hier wollten wir noch etwas Bier und Proviant für die Fähre besorgen. Auf dem Weg zum Supermarkt gab es dann beinahe einen Zusammenstoß mit einem eindeutig wahnsinnigen Porschefahrer. Bei erlaubten dreißig Kilometern pro Stunde fuhr dieser mit mindestens achtzig durch einen Kreisverkehr, hat dabei fast Sven über den Haufen gefahren und uns – wir fuhren vorweg – ebenfalls massiv geschnitten. Diese Erfahrung braucht keiner, doch durch viel Glück ist niemand zu Schaden gekommen. Trotzdem war bei Sven sprichwörtlich die Hose voll.
Nach dem Einkauf vertrieben uns den Rest des Nachmittags und Abend damit, italienischen Kaffee zu genießen und auf die Überfahrt vorzubereiten. Gegen 19 Uhr ging es zum Hafen. Die Warteschlange war noch überschaubar, wir reihten uns ein und warten auf den Moment, dass die Fähren anlegt, ausgeladen wird und wir endlich drauffahren konnten. Aufregung machte sich breit. Auch wenn wir 2019 mit der Giulietta schon einmal nach Korsika übergesetzt haben, mit der Corvette fahren wir nicht jeden Tag auf eine Fähre.
Sardinien, wir kommen!
Alles lief glatt. Die Augen vieler anderer Reisender waren konstant auf uns gerichtet. Es zeigte sich, dass solche alten Autos eben doch nicht mehr alltäglich und viele Menschen davon begeistert sind. Funny fact: Unsere Corvette war vor vielen Jahren schon einmal auf Sardinien. Das haben wir zufällig erfahren, denn ich habe Jürgen, dem Vorbesitzer, eine Nachricht inklusive Bild geschickt und gemeint, dass die Corvette jetzt Sardinien kennenlernt. Er war begeistert zu sehen, das wir solche tollen Reisen mit dem Auto unternehmen und gleichzeitig war er amüsiert. Er schickte mir Fotos von seiner Reise mit der Corvette nach Sardinien.
Sicher an Bord angekommen suchten wir die reservierten Pullman Sitzplätze auf, legten dort unsere Utensilien für die Nacht ab und begaben uns auf das Oberdeck. Hier standen Stühle, Tische und auch Liegestühle. Wir sicherten uns direkt drei Liegestühle. Langsam wurde es dunkler. Mit einem Bier und kleinen Snacks haben wir auf die gelungene Fahrt und die bislang problemlose Reise angestoßen.
Irgendwann begaben wir uns unter Deck und versuchten zu schlafen. Die Pullman Sitze, was für ein toller Name, waren absolute Gurken. Defekt von vorn bis hinten, unbequem und einfach nur zum Abgewöhnen. Dazu kam, es war viel zu kalt, da die Klimaanlage offenbar auf Frost eingestellt war. Glücklicherweise hatten wir Schlafsäcke und Kopfkissen dabei, so dass uns nicht kalt wurde. An Schlafen war dennoch kaum zu denken. Zum einen durch die unbequemen Sitze und zum anderen, da in dem gleichen Raum auch eine Person lag, die ganze Wälder absägte. Zahlreiche Personen drehten und wälzten sich umher, konnten nicht zur Ruhe kommen, doch besagter Schnarcher schlief wie ein Baby.
Entsprechend gerädert waren wir am Dienstag Morgen. Doch was macht das schon, wir kamen in Sardinien an und es war herrlichstes Wetter. Jetzt erstmal frühstücken. Also Autos im Parkhaus abgestellt und zu Fuß ins Zentrum von Olbia gelaufen. Morgens, noch nicht mal acht Uhr, sind kaum Leute unterwegs. Eine hübsche Stadt, doch der Magen rief nach Nahrung und die Augen wollten durch Kaffee offen gehalten werden. Bald fanden wir ein hübsches Café und frühstückten. Danach ging es weiter zu unserer Ferienunterkunft.
So ein Stress im Urlaub
War der Weg zur Unterkunft auf der Karte im Zuge der Routenplanung gar nicht so weit, sollte sich das ganze nach sardischen Maßstäben als deutlich zeitintensiver herausstellen. Wir fuhren also los, zunächst alles ganz gemütlich, noch die Corvette vollgetankt und ab zum ersten Zwischenstopp, der Burg Castello della Fava in Posada.
Hier pausierten wir, tranken einen Espresso, genossen die Aussicht und schlenderten durch den Ort. Währenddessen informierten wir unsere Vermieterin, dass wir zwischen 14 und 15 Uhr ankommen müssten. Doch weit gefehlt!
Die Route führte uns hoch auf den Passo Genna Silana, ein wunderschöner Bergpass mit Kurven, toller Natur, guten Straßen und einfach herrlicher Streckenführung. Doch wir haben nicht erwartet, dass so viele wirklich langsam fahrende Verkehrsteilnehmer unterwegs sein werden. Wir hatte nie das Ziel zu rasen oder unsinnig schnell zu fahren, doch die wirklich schmalen und nicht einzusehenden Straßen sorgten dafür, dass andere Fahrzeuge, die nur mit 35-45 Kilometern pro Stunde unterwegs waren, zu deutlicher Verzögerung führten.
Mit jeder Kurve, jeder vergehenden Minuten und damit immer später werdender Ankunft bekamen wir ein schlechteres Gewissen. Wie konnte wir nur sagen, dass wir bis 15 Uhr ankommen würden. Es wurde nach 16 Uhr und es war uns so unangenehm. Doch Barbara war so super verständnisvoll, dass wir uns am Ende wieder beruhigen konnten. Dafür war die Ankunft an unserem Ferienhaus nicht nur angenehm durch die nette Vermieterin. Bereits am ersten Tag auf Sardinien hatte es deutlich über dreißig Grad und wir schmorten im Auto. Ausgestiegen und runter zur Terrasse vom Haus gelaufen, wurde das Klima plötzlich total angenehm. Zwei große Bäume und ein Pavillon sorgten dafür, dass die Temperaturen deutlich erträglicher waren.
Was für eine wundervolle Insel
Wir waren angekommen, hatten unser Hauptziel erreicht und konnten jetzt wieder entspannen. Der Druck von der Fahrt wich von uns und die angenehme Zeit konnte beginnen. Noch am gleichen Abend erkundeten wir Santa Maria Navarrese, den Küstenort in dem wir die kommenden neun Nächte bleiben würden. Es gab einen herrlichen Sonnenuntergang und wir waren glücklich, wohlbehalten und unbeschadet angekommen zu sein. In den folgenden Tagen genossen wir Sardinien in vollen Zügen.
Die roten Felsen von Arbatax
Der erste Ausflug führte uns am Mittwoch nurt wenige Kilometer weiter nach Arbatax, der Stadt mit den berühmten roten Felsen – Rocce Rosse di Arbatax. Faszinierend, was die Natur hier geschaffen hat. Felsen die im Sonnenlicht rot leuchten und sich majestätisch aus dem Meer erheben. Es ist leicht nachzuvollziehen, warum über diese Orte so überschwänglich berichtet wird, wenn man erstmal selbst dort gewesen ist.
Pedra Longa
Doch die Begeisterung sollte noch weiter gesteigert werden. Am Donnerstag fuhren wir in Richtung Pedra Longa. Ebenfalls Felsen die sich aus dem Wasser erheben, doch ganz anders als in Arbatax ist es hier helles Gestein, bewachsen mit Büschen und Bäumen, über karibisch weißem Strand thronend. Nachdem wir jeden denkbaren Fotospot auskundschaftet hatten, uns köstlich über Ziegen auf Picknicktischen amüsiert haben und uns einfach nicht an der Landschaft sattsehen konnten, kehrten wir in das hübsche Lokal Trattoria Pedra Longa ein. Bei all der Hitze hatten wir eine Erfrischung dringend nötig.
Nuraghensiedlung - Area Archeologica di Scerì
Den Freitag verbrachten wir am Strand und am Samstag ging es wieder auf Erkundungstour. Wir besichtigten die Area Archeologica di Scerì, eine ehemalige Nuraghen-Siedlung. Stephano, ein Sarde, der eigentlich Winzer ist, gleichzeitig auch als Lehrer arbeitet und in seiner Freizeit an archäologischen Ausgrabungen teilnimmt, führte uns durch die historischen Überreste des Dorfes der Ureinwohner Sardiniens. Als wir morgens an der histiroschen Stätte ankamen waren wir die einzigen Besucher, erst später gab es weitere Interessierte, doch das ermöglichte es uns, eine quasi Privatführung zu haben und Stephano nahm sich richtig viel Zeit.
Mit Leidenschaft und enorm viel Hintergrundwissen erklärte er uns auf Englisch alles, was es zu der Siedlung an wissenswertem zu erzählen gab, ging auf jede unserer Fragen ein und war ebenso erfreut über unser Interesse wie wir über seinen Enthusiasmus. Auf diesem Ausflug lernten wir so viel über die Insel, die Zeit vor über 3000 Jahren und die Kultur, dass wir noch den ganzen restlichen Abend darüber sprachen.
Traditionell Sardische Küche
Besagter Abend bot gleich noch ein weiteres Highlight. Auf Empfehlung von Barbara, unserer Vermieterin, hatten wir einen Tisch im Restaurant Ovile Sullò reserviert. Mag jetzt banal klingen, ein sardisches Lokal, doch das ist es bei weitem nicht. Der Inhaber hat hier über 20 Jahre in Eigenleistung einen Ort errichtet, der seinesgleichen sucht. Mit unglaublich viel Liebe zum Detail, Kreativität und einer atemberaubenden Lage, ist bereits die Ankunft ein Highlight. Hinzu kommt, dass hier nicht à la carte gegessen wird, sondern für die Zahl der Reservierungen gezielt gekocht wird. Ohne eine Reservierung kann man nicht im Ovile Sullò essen.
Wir wussten nicht, was uns erwartet und wurden nicht enttäuscht. Einerseits die Vielfalt, die geboten wurde. Andererseits die Menge, denn es war unglaublich viel. Dachten wir gerade noch, das reicht jetzt aber wirklich, kam der nächste Gang. Es wollte nicht enden und war wirklich gut. Wir haben hervorragend gegessen und getrunkten, einen tollen Abend verlebt und können diese Erfahrung uneingeschränkt weiterempfehlen.
Mit dem Boot entlang der Ogliastra-Küste
Der Sonntag sollte etwas ruhiger werden. Nicht weniger erlebnisreich und faszinierend, doch wir bewegten uns weniger. Auf der Tagesordnung stand eine ganztägige Bootsfahrt. Direkt am Hafen von Santa Maria Navarrese werden von verschiedenen Veranstaltern Bootsausflüge angeboten. Unterscheiden tun sie sich bei der größe des Boots beziehungsweise der Zahl der Passagiere, den Zielen und dem Service auf dem Schiff.
Wir wählten Fuorirotta Charter Santa Maria Navarrese, ein sehr gut bewerteter Anbieter mit frisch zubereitetem Mittagessen auf dem Schiff, zwischendurch Snacks und Getränken sowie der Möglichkeit, mit maximal zwölf Gästen das Boot teilen zu müssen. Das war uns deutlich angenehmer als die anderen Fahrten, bei denen vierzig bis fünzig Passagiere auf einem wenig größeren Schiff Platz finden müssen. Klar, es kostete ein wenig mehr, der dafür gebotene Service, die Qualität des Essens und das weniger gedrängte Beisammensein auf Deck waren die Belohnung dafür.
Die Fahrt führte uns entlang der Ostküste Sardiniens, beginnend am Hafen von Santa Maria Navarrese Richtung Norden bis etwa Cala Mariolu, also entlang des Bergmassivs Supramonte durch den Golf von Orosei. Blaues Wasser so klar, dass man bis auf den Grund schauen kann bei dreißig Metern Wassertiefe, strahlend weiße Strände eingehüllt von Felsen der beeindruckenden Steilküste. Zwischendurch hielten wir an mehreren Stränden und konnten in die Grotta del Fico, eine Höhle, die nur vom Wasser aus zugänglich ist besichtigen.
Jeder Meter war beeindruckend, wir konnten uns kaum an der Schönheit des Meeres und der Natur satt sehen, doch es gab auch einen winzigen Wermutstropfen. Trotz all der Zeit, die wir hatten – schließlich legten wir bereits um 8 Uhr ab und kamen erst nach 17 Uhr wieder an – verlief es zum Teil recht hektisch. Die Summe der angefahrenen Strände, an denen man baden konnte, war uns einfach zuviel. Die Wahl, in die Höhle zu gehen, denn das war optional und wir waren von unserer Chartergruppe die einzigen, die das taten, war die absolut beste Entscheidung. So schön das Wasser auch ist, so toll die Strände auch sein mögen, von einem Badenstrand zum nächsten gekarrt zu werden, dort jeweils etwa eine Stunden verbringen zu können um dann wieder abgeholt zu werden, das war einfach nichts für uns.
All das ist selbstverständlich Kritik auf hohem Niveau und darf keinesfalls überbewertet werden. Der Tag auf dem Wasser war traumhaft, wir haben letztlich jede Minute genossen und würden es auf ähnliche Weise sich auch noch ein weiteres Mal tun.
Am darauffolgenden Tag war es so wahnsinnig heiß, dass wir zu nichts Lust hatten. Niemand hatte 35°C Mitte Juni auf Sardinien erwartet. Also hieß es am Montag einfach nur auf der Terrasse entspannen, am späten Nachmittag im Meer zu baden und abends gemütlich Essen zu gehen. Ein richtiger Gammeltag und das war auch mal schön.
Orgosolo mit seinen wunderschönen Murales
Spannend wurde es wieder am Dienstag. Wir besuchten den berühmten Ort Orgosolo mit seinen Wandmalereien – genannt Murales – die in der gesamten Stadt an den Häuserwänden zu finden sind. Neben ganz alltäglichen Momenten zeigen die Malereien auch politische Themen und nehmen gern Kritik daran. Sardinien insgesamt ist recht Solzialistisch orientiert, das spiegeln auch einige der Murales wieder. Manche wunderschön, andere ausdrucksstark und die nächsten wunderschön bunt.
Auf dem Rückweg von Orgosolo nach Santa Maria Navarrese kamen wir überraschenderweise an einer Ausschilderung für eine Grabstätte der Nuraghen vorbei. Von dieser hatte und Stephano erzählt, als wir in der Area Archeologica di Scerì waren. Kurzentschlossen wählten wir einen kleinen Umweg und besichtigten auch diesen historischen Ort.
Abschied von der Insel
Den vorletzten Tag auf der Insel verbrachten wir noch einmal am und im Meer, bevor es am Donnerstag bereits wieder Abschied nehmen hieß. Die Fähre sollte jedoch erst um 22 Uhr ablegen, also hatten wir den ganzen Tag Zeit. Um auch diesen letzten Tag noch so erlebnisreich wie möglich zu gestalten, wählten wir erneut die Bergstraßen und damit den schöneren Weg. In Richtung Olbia machten wir zunächst Pause an einem weiteren Ort, den die Ureinwohner der Insel gegründet hatten. Kurz vor Olbia selbst besuchten wir noch die Parohia Ortodoxă Română Olbia Sardegna, eine vollständig aus Holz gebaute Kirche. Den Rest des Tages schlenderten wir durch Olbia und versorgten uns wieder mit etwas Proviant für die Überfahrt.
Fester Boden unter den Rädern
Wieder sicher auf dem Festland angekommen, war unser erstes Ziel für den heutigen Tag der Ort Levanto an der Küste, denn wir wollten mit dem Zug die Cinque Terre Orte an der italienischen Riviera besuchen. Raus aus Livorno und auf nach Levanto. Dort am Bahnhof angekommen haben wir Tagestickets zum Parken gelöst und sind zum Fahrkartenschalter gelaufen. Doch was ist das, es hing ein Zettel aus, die italienischen Bahnen streiken, genau an dem Tag, wo wir Bahn fahren möchten.
Hatten wir in der Vergangenheit bereits mehrfach richtig positive Erfahrungen mit der Bahn in Italien gemacht, wurden wir hier von Zuständen überrascht, die an Deutschland erinnerten. Weil uns das nicht schocken konnte, schließlich haben wir Urlaub und können auch Alternativen finden, spazierten wir durch Levanto, erkundeten also das Örtchen, tranken eine Kleinigkeit und machten uns auf den weiteren Weg in Richtung Norden, wo wir als Ziel das Bed & Breakfast Tenuta Valtoppa hatten.
Betrübte Stimmung
Lief die bislang absolvierte Strecke, beginnend in Gerlingen bis runter nach Sardinien so ziemlich entspannt und halbwegs staufrei, traf uns kurz nach der Abreise aus Levanto ein Stau der seinesgleichen suchte. Es waren deutlich über dreißig Grad, es ging stetig bergauf und es gab keinen Schatten. Sowohl Audi als auch Corvette hatten kräftig zu schnaufen und die Temperatur der Corvette stieg auf ungekannte Höhen, doch sie hielt tapfer durch. Später sollte sich herausstellen, dass der Audi die Strapazen nicht ganz so problemlos weggesteckt hat, doch wir kamen heil in Tenuta Valtoppa an.
Das B&B liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Mailand, jedoch im Piemont und bietet damit eine andere Küche. Auf Empfehlung der Vermieter wollten wir also echt piemontesisch Essen gehen. Damit nicht wieder beide Autos für die gerade mal drei Kilometer zum Lokal bewegt werden, entschieden wir alle im Audi Platz zu nehmen. Leider zeigte dieser nun deutlich, wie sehr ihm die Hitze am Mittag zugesetzt hatte. Fehlzündungen, fehlende Leistung, jämmerliches Blubbern aus dem Motorraum.
Also mit betrübter Stimmung zu Abend gegessen, zur Unterkunft zurück geschlichen und überlegt, was getan werden kann. Sven hatte Zündkerzen dabei. Also die alten raus, die neuen rein. Bei dreien klappte das tadellos, die vierte wurde zwar rausgedreht, doch es stellte sich raus, das vom Vorbesitzer offenbar das Gewinde ausgebohrt wurde, eine Gewindehülse eingesetzt und diese nicht richtig verklebt wurde. Sie saß auf der Zündkerze fest und ließ sich nicht lösen, sorgte jedoch auch dafür, dass die neue Kerze nicht reingedreht werden konnte, weil das neue Gewinde zu groß war.
Unvollendeter Dinge und mit hängenden Köpfen gingen wir ins Bett. Der nächste Tag war ein Samstag. Das heißt, Autowerkstätten haben in der Regel nicht geöffnet. Unsere Vermieter empfahlen jedoch eine Werkstatt die geöffnet haben soll. Weit gefehlt, sie war geschlossen. Leider hatte Sven zu diesem Zeitpunkt noch keine ADAC Plus Mitgliedschaft, womit der Anruf beim Automobilclub wenig hilfreich war. Also suchten wir selbst auf Google Maps nach einer alternativen Werkstatt, fanden eine und fuhren hin. Geöffnet war sie, doch nur für TÜV-Abnahmen. Zu unserer Freude kam dennoch der TÜV-Prüfer, ein unglaublich hilfsbereiter KFZ-Meister älteren Jahrgangs und stellte fest, dass die Zündkabel falsch angeklemmt waren und korrigierte diesen Fehler.
Obwohl der Audi damit etwas besser lief, war das weit entfernt von gut oder normal. Jetzt stand eine Entscheidung aus, die Sven noch einmal richtig forderte. Die geplante Strecke war undenkbar, also wollte er durch den Gotthardtunnel und auf einfachstem Weg in Richtung letzter Unterkunft in der Schweiz. Damit trennten sich unsere Wege für einige Stunden. Birgit und ich fuhren die alte Gotthardpass Straße hoch. Kopfsteinpflaster, wenig befahren, viele Kurven, tolle Aussicht. Allerdings oben auf dem Gotthard angekommen, verfinsterte sich der Himmel immer mehr.
Wolkenbruch auf über 2400 Metern
Zum ersten Mal auf der Tour drohte es zu Regnen. Und es kam richtig dick. Wir entschlossen uns rechtzeitig, das Dach zu schließen und fuhren in eine Regenwand die sich zu Hagel wandelte. Es war ein Wolkenbruch mit Gewitter und Sturm. Wir saßen trocken, die Rad- und Motorradfahrer taten uns jedoch wirklich Leid. So überquerten wir den Furkapass und es ging weiter über den Grimselpass. Wenig Sicht, viel Wasser auf der Straße, doch es war ein echtes Erlebnis.
Bei all dem Regen zeigte sich auch die Schwäche des in die Jahre gekommenen Verdecks der Corvette. Einige undichte Stellen sorgten für etwas Wassereinbruch, der zum Glück mit Tüchern bewältigt werden konnte. Wenig später wurde es wieder sonnig, die Temperaturen – zwischenzeitlich auf etwa 12 Grad gefallen – kletterten auf obere zwanziger Werte und wir öffneten das Dach. Sven hatte das Ziel sicher erreicht, ein B&B in einem ehemaligen Bergwerksilo, so dass wir beruhigt die letzten Kilometer zurücklegten.
Als wir schließlich gegen 19 Uhr in Herznach ankamen, wurden wir von einem total begeisterten Sven empfangen. Die Unterkunft sei grandios und er hätte sich grün und blau geärgert, wäre er direkt heim gefahren. Wir überzeugten uns davon, dass er nicht zuviel Begeisterung zeigte und waren selbst total verblüfft. Was für eine tolle, liebevoll eingerichtete und besondere Unterkunft.
Den Rest des Abends verbrachten wir also bei deutlich besserer Laune, als der Morgen begonnen hatte. Es gab gutes Essen, wir tauschten die Erlebnisse des Tages aus und bereiteten uns auf den letzten Abschnitt unserer Sardinien Reise vor.
Der Sonntag brach an, die Sonne schien, der letzte Abschnitt unserer Tour stand bevor. Heute hieß es in Richtung Bodensee zu fahren, in Romanshorn in die Autobau Erlebniswelt zu gehen und anschließend den Heimweg anzutreten.
Eine tolle Reise
Vierzehn Tage voller Erlebnisse, toller Erfahrungen, wunderschöner Natur, spektakulärer Ausblicke und einer schönen Zeit zum Ausspannen liegen hinter uns. Ein wirklich toller Urlaub, der für schöne Erinnerungen sorgt, als auch Lust auf noch viel mehr macht. Wir haben jede Minute genossen. Wie oft Sven deutlich gemacht hat, wie sehr es ihm gefallen hat, lässt sich nicht an zwei Händen abzählen.
Ideen für weitere Fahrten gibt es bereits genug. Einzig was fehlt ist die Zeit zwischen all den Arbeitstagen, um so viel unternehmen zu können, wie wir gern möchten. Doch all das lässt uns nur noch mehr auf Zukünftiges freuen. Die Planungen laufen bereits für etwas wirklich Großes. Bis dahin wird es jedoch auch viele weitere Kurztrips und andere Urlaube geben.
Rückblickend können wir die Insel Sardinien wärmstens weiterempfehlen. So wie auch wir auf Anraten von Freunden, Verwandten und Bekannten die Reise angetreten haben, möchten wir eine klare Empfehlung an jeden aussprechen, der nicht unbedingt mit dem Flugzeug in die Karibik fliegen muss sondern das gleiche Erlebnis auch in Europa haben kann.
Bereits während der Abreise, also der Überfahrt zurück von Olbia nach Livorno, trafen wir die Entscheidung, Sardinien unbedingt noch einmal besuchen zu wollen. Trotz all der hier geschriebenen Erlebnisse gäbe es noch so viel mehr erzählen, doch ich denke, Bilder sprechen mehr als tausend Worte. Jeder, der Fragen hat, kann gern die Kommentarfunktion nutzen und wir bemühen uns diese so gut wie möglich zu beantworten.

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