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Saisonabschluss 2024 – Von König Ludwig II. von Bayern bis Landsberg am Lech

veröffentlicht am Sa., 12.10.2024
geschrieben von Alexander Weißgerber
Inhaltsverzeichnis
2024
27.
Sep.
2024
29.
Sep.
Vom 27. Sep. 2024 bis 29. Sep. 2024

Jede Oldtimersaison geht in unseren Breitengraden einmal zuende. Nachdem wir im Vorjahr ein fantastisches Wochende zum Saisonende erlebten wollten wir auch die Saison 2024 gebührend abschließen.

Das Wetter machte uns am Freitag und Samstag leider einen Strich durch die Rechnung. Den Spaß konnte es uns trotz allem nicht verderben und wir haben auch bei Regen viel gesehen als auch auf der zweiten Hälfte noch Glück mit dem Wetter gehabt.

Vor zwei Jahren kauften wir uns eine Corvette und seither hat sich unser Urlaubs- und Ausflugsverhalten deutlich geändert. Jede Möglichkeit nutzen wir um vom häufig doch ziemlich anspruchsvollen Alltag Abstand zu nehmen und die freie Zeit so intensiv und erlebnisreich wie möglich zu genießen.

Das bedeutete für dieses Jahr bereits wirklich atemberaubende Urlaube und Auszeiten mit der Corvette (und auch mit unserem Alltagsauto der Giulietta).

Es mag klingen, als würden wir nicht genug bekommen können, doch wir müssen auch einfach so realistisch sein zu erkennen, dass die Oldtimersaison nur begrenzt ist. Frühestens im März geht es los, eher noch im April oder Mai und im Oktober ist dann meist schon Schluss. Grob gerechnet sind das sechs Monate. Danach wird das Auto eingemottet und wir warten ungeduldig auf das kommende Jahr.

Damit dieser Abschluss nochmal richtig Freude bereitet, habe ich auch für dieses Jahr eine kleine Tour geplant, die uns nach Bayern entführt und natürlich auch wieder reichlich Abwechslung bieten sollte.

Ein nasser und hektischer Freitag

Geplant war diese Tour natürlich mit dem Oldtimer. Entgegen des Wunsches, bei Sonnenschein oder wenigstens halbwegs brauchbarem Wetter fahren zu können, deutete sich indes schon über viele Tage im Voraus an, dass auch unser Wochenende verregnet werden sollte. Wie gesagt, ein wenig Nässe stört niemanden, auch nicht die alten Autos, doch das was hier angekündigt wurde und letztlich auch für Freitag und Samstag zutraf, war alles andere als "etwas nass".

Kurzerhand entschlossen wir uns am Donnerstag Abend, mit dem Alltagsfahrzeug von Sven die Tour zu machen. Ja, das ist nicht wirklich ein Saisonabschluss mit unseren geliebten Klassikern und doch wollten wir uns das gemeinsame Wochenende nicht vom Wetter verderben lassen. Also sind Sven, Birgit, Mila und ich gemeinsam mit dem ŠKODA Kodiaq von Sven losgefahren.

Am Platz hat es keineswegs gemangelt. Der SUV ist so geräumig, dass auch vier Personen gemütlich darin sitzen können und auch das Gepäck für ein Wochenende absolut problemlos untergebracht werden kann.

Erschwerend zum Wetter kam hinzu, dass Mila am Freitag bis um 15:30 Uhr Schule hatte. Wir konnten daher nicht wie geplant bereits um 14 Uhr losfahren und hätten alle Zeit der Welt. Kurz vor vier war das Auto gepackt und es regnete. Im Prinzip ist das auch noch kein echtes Problem, wäre da nicht die Reservierung im Restaurant um 19:45 Uhr. Später war nicht möglich, denn die Küche sollte nur bis 20 Uhr Bestellungen annehmen.

Also hieß es bei teils richtig starkem Regen, unbekannter Strecke - diese führte wunderschön über die Landstraße - und zunehmender Dunkelheit mit Zeitdruck im Nacken bis nach Sulzberg, kurz hinter der Österreichischen Grenze zu fahren. Einerseits nahmen wir es gelassen und waren einstimmig der Meinung, dass es die richtige Entscheidung war, das moderne Auto zu nehmen, andererseits wollten wir pünktlich ankommen und Sven war dadurch unschön unter Druck.

So hässlich wie die meiste Zeit der Fahrt auch war, desto später es wurde, um so mehr nahm der Regen ab und es zeigte sich ein traumhaft schöner Sonnenuntergang. Gerade im Herbst hat das Abendlich der Sonne so wundervolle Farben, dass wir nach all dem Regen ganz schnell wieder voll positiver Stimmung waren und uns vom Naturschauspiel verzaubern ließen. Die obigen Bilder zeigen das Schauspiel und verzerren damit natürlich das gesamte Bild von der Fahrt. Doch wie schön hat es die Natur eingerichtet, dass sich der Mensch an die positiven Erlebnisse besser erinnert als an die weniger schönen.

Trotz der ganzen Schwierigkeiten wie spätem Loskommen, Regen wie aus Eimern und Landstraße mit herausfordernder Streckenführung lief alles glatt. Keine Komplikationen, kein Unfall. Wir kamen im Grunde punkt 19:45 Uhr in Sulzberg an. Schon auf den letzten Kilometern hatten wir ständig die Uhrzeit im Auge und entschieden, dass die beiden Frauen kurz vor dem Lokal abgesetzt werden und bereits das Essen bestellen, welches wir anhand der Onlinekarte des Restaurants vorab gewählt hatten und wir Männer zunächst in unserer Unterkunft Pension Bilgeri einchecken und dann nachkommen.

Zu unserer Überraschung entsprach die Karte im Lokal nicht der Onlinevariante und gleichzeitig hatten wir Glück, dass die Aufgabe der Bestellung kurz vor 20 Uhr kein Problem darstellte. Wir konnten also in Ruhe den Abend ausklingen lassen, haben wirklich gut im Gasthof Ochsen gegessen und waren froh, angekommen zu sein.

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Blick auf Sulzberg (Österreich)
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Blick auf Sulzberg (Österreich)

Erst der Regen und dann wunderbare Sonne

Gut geschlafen starteten wir mit reichlich guter Laune und Motivation in den Samstag. Auf dem Plan standen einerseits der Besuch von Schloss Linderhof als auch eine Wanderung. Nachdem wir aus dem Fenster blicken und von Regen und Nebel begrüßt wurden fiel die Entscheidung, auf die Wanderung zu verzichten. Schloss Linderhof wollten wir dennoch sehen.

Also gut gefrühstückt und los ging es. Auch heute standen wieder kleine Nebenstraßen und viele Kurven auf der Tagesordnung, um die verschiedenen Ziele zu erreichen. Schließlich war die Tour für unsere Oldtimer geplant und da zählt noch viel mehr als auch sonst bereits "der Weg ist das Ziel".

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Allgäu und Voralpenland bei Regen
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Allgäu und Voralpenland bei Regen

Entlang wunderbarer Berge, durch idyllische Dörfer und mit reichlich Regen untermalt ging es nach dem Frühstück also zunächst in Richtung Schloss Linderhof.

Bis wir dort ankommen sollten hieß es indes weiterhin Regen, Regen, Regen. Von all dem trüben Wetter ließen wir uns jedoch nicht die gute Laune verderben und erfreuten uns der vielen wunderschönen Aussichten rund um das Allgäu und Voralpenland.

Die tief hängenden Wolken, Kühe die frei über die Straße laufen, Bergseen wie der Plansee, all das erfreute unser Herz und brachte uns trotz des Regens stetig aufs neue zum Staunen. Berge sind einfach immer wieder ein toller Anblick und selbst bei Regen zeigen sich wieder ganz neue Eindrücke die auch ihren Reiz haben.

Schloss Linderhof

Schließlich in Linderhof angekommen, zogen wir unsere Regenjacken an und bereiteten uns damit auf eine etwas feuchtere Erkundung vor.

Schloss Linderhof hat König Ludwig II von Bayern erbauen lassen. Richtig gelesen, das ist der gleiche König, der auch Schloss Neuschwanstein bauen lies. Der kleine und doch feine Unterschied zwischen diesen beiden Schlössern ist jedoch, dass Linderhof als Wohnsitz intensiv genutzt wurde und Neuschwanstein vielmehr ein Aushängeschild war und nie für Wohnzwecke diente.

Als Vorbild diente das Schlosse von Versailles in Frankreich. Die Bauzeit mit verschiedenen Phasen, in denen das Schloss stetig erweitert wurde, zog sich von 1870 bis 1886.

Leider wurde der Besuch auch ein wenig durch den anhaltenden Regen geschmälert, so dass wir zwar eine Führung durch das Schlossinnere unternahmen, den Garten hingegen nur im Vorbeigehen betrachteten. Gern hätten wir hier noch mehr Zeit verbracht. Um es gleich vorweg zu nehmen, wir haben bereits nach dem Wochende beschlossen, die Abschlusstour im nächsten Jahr auf ähnliche Weise zu wiederholen und werden dabei auch Linderhof noch einmal besuchen - hoffentlich bei schönerem Wetter.

Landsberg am Lech

Ein wenig frostig doch zum Glück nicht durchnässt ging es nach dem Besuch des Schlosses weiter in Richtung Landsberg am Lech. Hier hatten wir unsere zweite Übernachtung gebucht und hofften auch ein wenig auf etwas besseres Wetter.

Dieser Wunsch sollte uns auch erfüllt werden. Desto näher wir Landsberg kamen, um so besser wurde das Wetter. Die Sonne kam hervor und wir kamen trocken am Landhotel Endhart an. Ursprünglich war geplant, unsere Autos in der Tiefgarage abzustellen, nachdem wir jedoch mit dem Alltagsgefährt untergwegs waren und das Wetter entgegen aller Erwartungen sich von seiner besten Seite zeigte, blieb das Auto vor der Tür stehen.

Wir hatten noch gut Zeit bis zum Abendessen, also gingen wir zu Fuß in die Stadt. Vor sehr vielen Jahren waren Birgit und ich schon einmal auf der Durchreise in Landsberg. Richtig daran erinnern konnten wir uns beide nicht mehr. Umso erfreuter waren wir über die hübsche Stadt am Lech, dem gleichen Fluss an dem wir bereits auf unserer Alpentour in "Lech am Arlberg" nur wenige Monate zuvor waren.

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Bayertor in Landsberg am Lech
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Bayertor in Landsberg am Lech

Besonders sehenswert sind das Lechwehr, der Mutterturm und der Schmalzturm.

Kurz bevor wir im OFFSIDE Landsberg zum Abendessen einkehrten, beobachteten wir noch die Aufwärmphase für das anstehende Eishockeyspiel. Das Spiel selbst konnten wir nicht sehen, da wir genau zu der Zeit unsere Tischreservierung hatten.

Trotz des hässlichen Wetters in der ersten Tageshälfte war auch der Samstag ein toller Tag mit vielen Erlebnissen.

Heimweg mit gemischten Eindrücken

Der Sonntag Morgen begann, wie der Samstag zu Ende ging - sonnig. Fast schon hätten wir uns geärgert, dass wir nicht mit der Corvette und dem Audi gefahren sind. Grund dafür gab es jedoch nicht, schließlich war das halbe Wochenende dermaßen verregnet, dass wir nüchtern betrachtet ganz klar die richtige Entscheidung getroffen hatten.

So stand also nach einem ausgiebigen Frühstück der Besuch von Schloss Kaltenberg als erstes Highlight auf der Tagesordnung. Nur wenige Minuten von Landsberg entfernt, liegt das mittelalterliche Anwesen, welches sich im Besitz von Luitpold Prinz von Bayern, dem Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. (Zitat Wikipedia) befindet.

Ins Innere des Schlosses kamen wir leider nicht, doch was wir draußen zu sehen geboten bekamen, hat uns bereits mächtig beeindruckt. Es handelte sich nicht um das Schloss selbst sondern alles was im Zusammenhang mit den järhlich stattfindenden Ritterfestspielen zusammenhängt. Beeindruckende Gebäude, toll inszenierte alte Handwerke, reichlich Möglichkeit zu schlemmen und sich in eine Zeit zurückversetzt zu fühlen, die gut und gern vier- bis fünfhundert Jahre zurück liegt.

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Corvette C8
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Sven kauft eine Corvette C8?

Nach dem beeindruckenden Besuch von Schloss Kaltenberg führte uns der Weg nach Heidenheim an der Brenz. Zufällig kamen wir dabei an einem US-Car Händler vorbei der den ganzen Hof voll mit Corvette C8 Modellen hatte und auch noch einige weitere Fahrzeuge anderer Marken zum Verkauf anbot. Sven hatte schnell beschlossen, diese Corvette wäre genau sein Ding! Preislich jedoch nicht ganz seine Kragenweite, und zum Glück auch vor verschlossenen Verkaufsraumtüren stehend, entschieden wir ohne unterschriebenen Kaufvertrag weiterzufahren.

Als wir schließlich in Heidenheim an der Brenz ankamen machte sich relativ schnell Ernüchterung breit. Ganz im Gegenteil zu Kaltenberg konnte uns Schloss Hellenstein nicht sonderlich beeindrucken. Die Kutschenausstellung war ganz nett, doch der Rest des Schlosses bot eigentlich nicht viel. Keine schöne Inneneinrichtung, wenig außen drumrum.

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Steak, Bratkartoffeln, Bier
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Steak, Bratkartoffeln und ein Bier - richtig lecker!

Davon ließen wir uns jedoch genausowenig runterziehen wie von dem schlechten Wetter der beiden Vortage, also ging es weiter Richtung Heimat. Irgendwann überkam uns der Hunger und wir machten kurzentschlossen Halt in Winnenden, um hier in der Steak & Schnitzelmeisterei richtig lecker zu essen. Was für ein hervorragender Abschluss für ein erneut sehr gelungenes Wochenende!

Nachdem wir gut gesättigt waren gingen wir die letzten Kilometer an. So schnell vergehen zweieinhalb Tage. Doch wie zwischendurch bereits geschrieben, für 2025 haben wir uns vorgenommen, eine ähnliche Abschlusstour zu unternehmen und aller Voraussicht nach wird auch Moritz mit dabei sein.

Mit dem Saisonabschluss haben wir zwar ohne Oldtimer die Zeit für Klassiker in 2024 beendet, doch um so mehr freuen wir uns auf viele neue spannende Tage, Touren und Erlebnisse im kommenden Jahr. Es ist vieles geplant, so werden wir unter anderem mit der Corvette und dem Audi nach Sardinien fahren.

Das zweite Jahr mit der Corvette geht zuende und es war ein grandioses Jahr. Unglaublich viel gesehen. Wunderbare Tage mit Freunden verbracht. Tolle Erlebnisse mit den alten Autos genossen und wieder ganz viel neues von der Welt kennengelernt.

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