Auf unserer Reise durch Südengland und Wales haben wir fast ausschließlich in Pubs gewohnt und gegessen. Dabei konnten wir wunderbar sehen, wie sehr die Briten das ebenfalls nutzen und diese gesamte Kultur alles andere als eine Erscheinung für Touristen ist. Doch was genau ist die britische Pubkultur?
Die zwei Arten von Pubs
Grundsätzlich kann zwischen zwei Arten von Pubs im Zusammenhang mit dem ausgeschenkten Bier unterschieden werden:
- Free House
- Public House
Ein "Free House" ist ein Pub, das nicht an eine einzelne Brauerei gebunden ist und damit frei die Bierauswahl bestimmen kann. Die angebotene Biervielfalt ist damit deutlich größer und individueller. Wer Lust auf große Auswahl, Experimente und spezielle Biersorten hat, sollte unbedingt auf die Bezeichnung Free House achten und hier einkehren.
Bei einem "Public House" handelt es sich im Gegenzug um ein Pub, das seinen Ausschank von einer Brauerei abhängig macht. Es gibt Verträge mit dieser Brauerei, so dass nur Biersorten verkauft werden dürfen, die im Einklang mit den Regeln des Vertragspartners stehen. Das bedeutet nicht, dass die Bierauswahl schlecht ist, dennoch sind die Marken eingeschränkter und es gibt weniger Sorten unabhängiger Brauereien.
Häufig werden nicht nur englische Biersorten angeboten. Die Bandbreite reicht von italienischem über belgisches hin zu spanischem und natürlich auch deutschem Bier.
Architektur
Im Gegensatz zu deutschen Kneipen sind die britischen fast ausschließlich in traditionellen Häusern anzufinden. Wirklich alte Kneipen mit viel Flair und dem typischen Charme, den man sich unter einem Pub vorstellt. Doch so alt die Häuser auch sind, fast nie sind sie schmuddelig oder runtergekommen. Ganz im Gegenteil werden die Pubs sichtbar gepflegt, sind optisch alt und doch ansprechend modernisiert. Es wird nichts altes einfach abgerissen und durch ein neues Gebäude ersetzt, die Aufrechterhaltung der Traditionen steht sichtbar im Vordergrund.
Wie auch in Deutschland treffen sich Fußballfans in der Kneipe, trinken gemeinsam Bier und fiebern um die Wette. Das ganze läuft absolut friedlich ab und spiegelt ebenfalls genau das wieder, was sich in den Köpfen vieler abspielt, wenn man an ein britisches Pub denkt.
Besonderheiten zur Bestellung von Getränken und Speisen
In einem Pub wird in der Regel am Tresen bestellt – ersten bestellen, dann setzen. Hierbei wird zum Teil sogar unterschieden, ob man Speisen oder Getränke ordert. Es gibt stellenweise einen Bereich an der Theke, der sich voll und ganz dem Ausschank der Getränke widmet und einen anderen Bereich, der wiederum die Bestellungen für das Essen aufnimmt.
Das mag zu Beginn verwirrend sein, denn das Essen wird am Tresen bestellt und später an den Tisch gebracht, die Getränke werden jedoch im Zuge der Bestellung frisch gezapft oder eingeschenkt und können direkt mitgenommen werden. Oftmals wird dabei auch gleich bezahlt - natürlich vollkommen unkompliziert mit Karte.
Hinzu kann ein wenig kurios wirken, dass im Zuge der Essensbestellung direkt nach einem Tisch gefragt wird. Das bedeutet, wenn man den Pub betritt sollte zunächst ein Tisch gewählt werden, der bei der Bestellung genannt werden kann. Es wird also bestellt, bezahlt und dann erst zum Tisch gegangen. Jetzt kann das erste Bier getrunken werden, es wird auf das Essen gewartet, welches anschließend serviert wird.
Warmes Bier ohne Blume?
Wer kennt es nicht: Wenn vom Bierausschank in England gesprochen wird ist jeder der Annahme, dass Bier wäre warm, die Blume würde abgestrichen werden und es gäbe keine Kohlensäure.
Weit gefehlt! Inzwischen wird auch in Großbritannien das Bier kalt getrunken und hat – natürlich abhängig von der Sorte – zum Teil sogar eine umwerfend schöne Bierblume. Dabei spreche ich nicht von der festen, mit einem Messer schneibaren Blume des Guinnes, sondern von einer typischen Bierblume, wie wir sie von einem Pils, Hellen, Lager und ähnlichen Sorten auch kennen.
Kohlensäure ist ein anderes Thema. Hier gibt es deutliche Unterschiede. Je nach Biersorte kann es zwischen "keine" bis hin zu "prickelnd" viel Kohlensäure geben. Sorten ohne oder mit wenig Kohlensäure sind in der Regel die lokalen Ales. Ein IPA hingegen sprudelt wie ein Bier aus unseren Gefilden und ist ein wahrer Genuss.
Es kann also unterschieden werden in typisch englische Biere, die weniger schäumen und prickeln, dennoch nicht geschmacklos sind, und ausgefallenere Sorten, die deutlich mehr in Richtung Festlandbier gehen, von den Briten "Lager" genannt, nicht zu verwechseln mit der Bezeichnung, wie sie bei uns für lediglich eine Sorte verwendet wird.
Was wir nie erlebt haben war warmes Bier. Die Zapfanlagen sind grundsätzlich gekühlt und produzieren eine angenehme Trinktemperatur.
Qualität der Speisen
Es heißt oft, die englische Küche sei ungenießbar. Mag sein, dass das früher zutraf. Heute hingegen ist das Essen in Pubs alles andere als schlecht. Egal in welchem Pub wir gegessen haben, es hat stets gut bis sehr gut geschmeckt. Dazu kommt, die Briten sind Meister in der Zubereitung von "Pommes", also den "Chips", wie sie auf der Insel genannt werden.
Nichtalkoholische Getränke
Ein Pubbesuch verpflichtet selbstverständlich nicht zum Alkoholkonsum in Form von Bier, Cider, Wein oder ähnlichem. Es gibt auch immer nichtalkoholische Getränke. Viele Pubs haben unterschiedliche Limonaden und auch jede Menge Getränke aus Flaschen und Dosen sowie Kaffee und Tee im Angebot.
Das Pint [paɪnt]
Die wichtigste Maßeinheit, wenn es um die Bestellung von Bier, Cider oder Limonade geht, ist das Pint. Ein typisch imperiales Maß, denn es ist nicht einfach in eine metrische Einheit umzurechnen, es ergibt sich vielmehr ein krummer Wert. Dennoch muss auch hier noch eine weitere Unterscheidung berücksichtigt werden. Es gibt zum einen das imperiale Pint der Briten als auch das US-amerikanische.
1 Pint (imperial) = 0,568 Liter
1 Pint (US-amerikanisch) = 0,473 Liter
Die Namen der Pubs
Immer wieder wunderten wir uns, warum Pubs häufig Namen wie "The King's Arms", "The Farmers Arms" oder "The Butchers Arms" tragen. Der Ursprung liegt in der Herkunft. Zum einen können es lokale Adelsfamilien sein oder eben auch Handwerksberufe und Gilden.
Neben diesen Bezeichnungen dominieren auch "The Bear Inn", "Royal Oak", "The Swan" und natürlich "Red Lion", von uns gefühlt am häufigsten gesehen.
Unser Fazit
Pubs sind eine tolle Sache. Egal wo wir eingekehrt sind, wir haben uns stets wohl gefühlt, hatten nie den Eindruck, nicht willkommen zu sein und wenn wir Fragen hatten, wurde uns jederzeit freundlich geholfen.
Das Essen war gut, die Bierauswahl super, die Preise im Rahmen und das Ambiente stets etwas ganz Besonderes.
Wer in Großbritannien unterwegs ist und nicht mindestens einmal in einem Pub eingekehrt ist, der hat die wahre Kultur der Briten nicht kennengelernt.

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